07.05. – 13.05.2018

12 Plan

HORIZONTE #12 Plan

Der Plan wird als universelles Medium der Kommunikation und Produktion von Architektur betrachtet, in dem die soziologischen und politischen Dimensionen der Vergangenheit und Gegenwart eingeschrieben sind. Er ist Sprache und ein kollektives, graphisches Werkzeug, das die Dinge ordnet. Er ist Speicher des Wissens. Gleichzeitig erkennen wir eine Möglichkeit der differenzierten Betrachtung, der Plan offenbart Erfahrungen, Gefühle, Widerstand gegen Konventionen und die Manifestation des Nützlichen. Indifferenz und Unschuld — wie sie Rem Kohlhaas in seinem Essay „Typical Plan” beschreibt — weichen Fantasie und persönlichem Ausdruck. Das Unpräzise und Unbekannte wird dann zur Möglichkeitsbedingung, um ein neues Geflecht vonBeziehungen zu eröffnen. Der Akt des Zeichnens ist vielleicht eine Suche nach dem Verlangen, Festlegungen in der Realität durch das Unterbewusste und Zufällige zu treffen. Dennoch kommen Zweifel auf, wenn wir versuchen, Strukturen der Stadt im Plan zu erkennen. Wir haben gelernt, die physischen Objekte zu lesen und zu benennen — Areale, Monumente und Straßen. Im eigenen Entwurf werden diese oft nur zu Trägern von Geschichte und die Komplexität der Wirklichkeit lässt sich schwer in Beziehung zu unseren Arbeiten setzen. „Als Architekt komme ich mir oft wie ein Schachspieler vor, der nur die Figuren kennt”, schreibt Marcel Meili. Die technologische Evolution schreitet weiter voran und wir fragen uns, welche Bedeutung dem Plan in dieser Entwicklung zukommt. Wie wird Architektur produziert, wenn Bilder eine immer präzisere, gleichzeitig konfuse Hyperrealität formen und die Technologie die Typologie ablöst? Digitale Zeichnungen sind von einer trügerischen Präzision geprägt, sie suggerieren eine Genauigkeit, die niemals erreicht wird. Die Flucht in Dissonanzen und Chaos führt dann zu einem Weg abseits von perfekten Linien und Normen. Kann der Plan immer noch als Mittel der Positionierung eingesetzt werden oder wird die Suche nach dem individuellen Ausdruck innerhalb einer diffusen Architekturproduktion immer wichtiger? Wir denken an Pläne, die Revolutionen in sich tragen und Zeichnungen, die sich gegen die Wiederholung des Gleichen stellen. Letztendlich ist der Plan ein Mittel, um unsere Gegenwart und Realität zu interpretieren. Wir lernen aus der Vergangenheit und versuchen, in die Zukunft zu blicken. Und oft können wir nicht sagen, warum uns ein Plan als richtig oder falsch erscheint, warum er angenehm oder unangenehm ist. Horizonte sucht in seiner zwölften Ausgabe nach Positionen, die Pläne in sich tragen — zwischen und innerhalb von Wänden. Als Träger von Erinnerung, von Konfrontation, normiert und einzigartig. Gestoßen sind wir auf Thesen und Zeichnungen, die dem Plan Elemente und Realitäten einschreiben, auf Untersuchungen über das Verhältnis von Plan und Wirklichkeit, auf Erzählungen über Architekturen ohne Plan, die durch das Naive und Alltägliche dem klassischen Bild des Plans entgegenstehen; Pläne, die sich der Manifestation in der Wirklichkeit entziehen, kaum wahrnehmbar hierarchische Kategorien einführen, das philosophisch-naturwissenschaftlich geprägte Weltbild eines Menschen oder gar einer Generation in sich vereinen und solche, die sich der Perfektion widersetzen. Welche Attribute kann ein Plan tragen? Naiv, unschuldig, schön, imperfekt, abstrakt, konkret? Kann er der Lüge bezichtigt werden? Wir begegnen Plänen des Digitalen, die aus der Verknüpfung singulär bedeutungsloser Informationspartikel bestehen, mit jeder neuen Ausgrabung weiter wachsen und sich heimlich, jedoch unweigerlich in der Wirklichkeit abzeichnen; Anekdoten über die Ideengeschichtedes Plans und komplexe Realitäten, die er nicht mehr darzustellen vermag. Gedanken zu instrumentalisierten Plänen, die, obschon ohne explizites Wertesystem erstellt, doch soziale Bedeutung tragen. Wir hoffen, dass die Lektüre dieser Ausgabe genauso viel Freude bereitet wie ihr Erstellen
und danken den Autoren.
„Die eine Sache, die nicht getan wird, ist der härteste Test, das wertvollste Experiment von allen. Was würde passieren, wenn es keinen Plan gäbe?“

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Das Team von horizonte

horizonte@archit.uni-weimar.de

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07.05. – 13.05.2018
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